Sehschärfe-Rechner: Visus und Dioptrien
Berechnen Sie die Beziehung zwischen Sehschärfe und Brillenstärke
Geschätzter Dioptrienwert
Geschätzte Sehschärfe ohne Korrektur
Umrechnungsergebnis
Verständnis von Sehschärfe und Dioptrien
Was ist Sehschärfe (Visus)?
Die Sehschärfe, medizinisch als Visus bezeichnet, beschreibt die Fähigkeit des Auges, Details zu erkennen und Objekte scharf wahrzunehmen. Der Visuswert wird üblicherweise als Dezimalzahl zwischen 0 und 2 angegeben, wobei 1,0 einer normalen Sehschärfe von 100 Prozent entspricht. Ein Visus von 0,5 bedeutet beispielsweise, dass eine Person einen Gegenstand nur aus der halben Entfernung scharf erkennen kann, aus der eine normalsichtige Person ihn sehen würde.
Bei einem Sehtest wird der Visus für jedes Auge einzeln gemessen. Dabei liest die zu testende Person Buchstaben oder Symbole von einer Sehtafel ab, die in verschiedenen Größen dargestellt sind. Die kleinste noch lesbare Zeile bestimmt die Sehschärfe. Werte über 1,0 sind möglich und zeigen eine überdurchschnittliche Sehleistung an.
Was sind Dioptrien?
Dioptrien (dpt) sind die Maßeinheit für die Brechkraft von Brillengläsern oder Kontaktlinsen. Sie geben an, wie stark ein Brillenglas das einfallende Licht bündeln oder streuen muss, um eine Fehlsichtigkeit auszugleichen. Die Dioptrie berechnet sich als Kehrwert der Brennweite in Metern: 1 dpt entspricht einer Brennweite von 1 Meter.
Negative Dioptrienwerte (z.B. -2,5 dpt) werden bei Kurzsichtigkeit verwendet, da hier zerstreuende Linsen benötigt werden. Positive Werte (z.B. +1,5 dpt) kommen bei Weitsichtigkeit zum Einsatz, wo sammelnde Linsen erforderlich sind. Je höher der Betrag des Dioptrienwerts, desto stärker ist die Fehlsichtigkeit ausgeprägt.
Zusammenhang zwischen Visus und Dioptrien
Es besteht keine direkte mathematische Beziehung zwischen Sehschärfe und Dioptrien, da der Visus das Sehergebnis beschreibt, während Dioptrien die benötigte Korrektur angeben. Allerdings kann man näherungsweise abschätzen, dass eine Fehlsichtigkeit von etwa 1 Dioptrie zu einer Halbierung der Sehschärfe führt. Eine Person mit -1 dpt Kurzsichtigkeit hat ohne Brille typischerweise einen Visus von etwa 0,5.
Diese Näherung gilt hauptsächlich für leichte bis mittlere Fehlsichtigkeiten. Bei stärkeren Abweichungen wird der Zusammenhang komplexer, da auch andere Faktoren wie die Qualität der Netzhaut, der Pupillengröße und individuellen anatomischen Unterschieden eine Rolle spielen.
Referenzwerte: Visus, Dioptrien und Sehleistung
| Visus (dezimal) | Sehleistung (%) | Geschätzte Dioptrien | Bezeichnung |
|---|---|---|---|
| 1,6 – 2,0 | 160% – 200% | 0 dpt | Überdurchschnittlich |
| 1,0 | 100% | 0 dpt | Normalsichtig |
| 0,8 | 80% | -0,25 bis -0,5 dpt | Leichte Sehschwäche |
| 0,5 | 50% | -1,0 bis -1,5 dpt | Mittlere Fehlsichtigkeit |
| 0,3 | 30% | -2,0 bis -2,5 dpt | Deutliche Sehschwäche |
| 0,2 | 20% | -3,0 bis -4,0 dpt | Starke Fehlsichtigkeit |
| 0,1 | 10% | -5,0 bis -6,0 dpt | Hochgradige Fehlsichtigkeit |
| 0,05 | 5% | ab -8,0 dpt | Hochgradige Sehbehinderung |
| 0,02 | 2% | ab -12,0 dpt | Praktische Blindheit |
Arten der Fehlsichtigkeit
Kurzsichtigkeit (Myopie)
Bei Kurzsichtigkeit ist der Augapfel zu lang oder die Brechkraft zu stark, sodass das Bild vor der Netzhaut entsteht. Betroffene sehen nahe Objekte scharf, während entfernte Gegenstände verschwommen erscheinen. Korrigiert wird Myopie mit negativen Dioptrienwerten. Leichte Kurzsichtigkeit liegt zwischen -0,5 und -3 dpt vor, mittlere zwischen -3 und -6 dpt, und starke Kurzsichtigkeit ab -6 dpt.
Weitsichtigkeit (Hyperopie)
Weitsichtige Menschen haben einen zu kurzen Augapfel oder eine zu schwache Brechkraft, wodurch das Bild hinter der Netzhaut entstehen würde. Nahe Objekte sind unscharf, während weiter entfernte Dinge besser erkennbar sind. Die Korrektur erfolgt mit positiven Dioptrienwerten. Bei jungen Menschen kann eine leichte Weitsichtigkeit oft durch Akkommodation ausgeglichen werden, was mit zunehmendem Alter jedoch schwieriger wird.
Hornhautverkrümmung (Astigmatismus)
Bei einer Hornhautverkrümmung ist die Hornhaut nicht gleichmäßig gewölbt, sondern in verschiedenen Achsen unterschiedlich gekrümmt. Dies führt zu verzerrtem oder unscharfem Sehen in allen Entfernungen. Astigmatismus wird mit zylindrischen Gläsern korrigiert, die eine bestimmte Achsenlage haben. Diese Fehlsichtigkeit tritt häufig in Kombination mit Kurz- oder Weitsichtigkeit auf.
Wann benötigt man eine Brille?
Die Entscheidung für eine Brille hängt von mehreren Faktoren ab. Generell wird eine Sehhilfe empfohlen, wenn die Sehschärfe unter 0,7 bis 0,8 liegt und dies die Lebensqualität oder Sicherheit beeinträchtigt. Beim Autofahren ist in Deutschland ein Visus von mindestens 0,7 auf dem besseren Auge vorgeschrieben.
Bereits ab -0,5 dpt können Betroffene Schwierigkeiten beim Erkennen von Straßenschildern oder Gesichtern in der Ferne haben. Ab -1,0 dpt wird eine Brille für die meisten Alltagssituationen empfohlen. Bei Werten ab -3,0 dpt ist eine ständige Sehhilfe nahezu unverzichtbar, da sonst erhebliche Einschränkungen im täglichen Leben auftreten.
Auch bei leichter Fehlsichtigkeit kann eine Brille sinnvoll sein, wenn Tätigkeiten wie Autofahren, Arbeiten am Computer oder Lesen über längere Zeit ausgeführt werden. Unkorrigierte Fehlsichtigkeit führt oft zu Kopfschmerzen, Augenermüdung und Konzentrationsschwierigkeiten, da die Augen ständig versuchen, die unscharfe Sicht auszugleichen.
Entwicklung der Sehschärfe im Alter
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Sehleistung natürlicherweise. Ab dem 40. Lebensjahr entwickelt sich bei den meisten Menschen eine Alterssichtigkeit (Presbyopie), bei der die Naheinstellung zunehmend schwerer fällt. Dies liegt an der nachlassenden Elastizität der Augenlinse und ist ein normaler Alterungsprozess.
Die Alterssichtigkeit macht sich zunächst beim Lesen in üblicher Distanz bemerkbar. Betroffene halten Lesematerial weiter vom Gesicht entfernt, um es scharf zu sehen. Eine Lesebrille mit positiven Dioptrienwerten schafft hier Abhilfe. Der Korrekturbedarf steigt mit dem Alter typischerweise von +1,0 dpt mit 45 Jahren auf +2,5 bis +3,0 dpt mit 65 Jahren an.
Häufige Fragen zur Sehschärfe und Dioptrien
Kann sich die Sehstärke von selbst verbessern?
Eine bereits bestehende Fehlsichtigkeit bildet sich in der Regel nicht von allein zurück. Bei Kindern und Jugendlichen kann sich während des Wachstums die Kurzsichtigkeit noch verstärken. Bei Erwachsenen bleibt die Fehlsichtigkeit meist stabil oder verändert sich nur langsam. Augentraining kann die anatomische Ursache von Fehlsichtigkeiten nicht korrigieren, kann aber möglicherweise die Augenmuskulatur stärken und Ermüdungserscheinungen reduzieren.
Wie oft sollte man die Sehstärke überprüfen lassen?
Erwachsene sollten alle zwei bis drei Jahre ihre Sehstärke kontrollieren lassen, selbst wenn keine Beschwerden vorliegen. Ab dem 40. Lebensjahr empfiehlt sich eine jährliche Kontrolle, da altersbedingte Veränderungen auftreten können. Bei bestehenden Augenproblemen, Diabetes oder familiärer Vorbelastung sind häufigere Untersuchungen ratsam. Kinder und Jugendliche sollten bis zum 18. Lebensjahr jährlich zur Augenuntersuchung gehen.
Was bedeutet Zylinder und Achse auf dem Brillenpass?
Die Zylinderangabe bezeichnet eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus). Der Wert gibt die Stärke der zylindrischen Korrektur in Dioptrien an. Die Achsangabe in Grad beschreibt die Ausrichtung dieser Korrektur. Beide Werte zusammen ermöglichen die präzise Anfertigung von Brillengläsern, die nicht nur Kurz- oder Weitsichtigkeit, sondern auch die ungleichmäßige Krümmung der Hornhaut ausgleichen.
Können unterschiedliche Dioptrienwerte für beide Augen schädlich sein?
Unterschiedliche Sehstärken zwischen rechtem und linkem Auge sind sehr häufig und normalerweise unproblematisch. Das Gehirn kann Differenzen bis etwa 2 Dioptrien meist gut ausgleichen. Bei größeren Unterschieden kann es zu Problemen beim räumlichen Sehen kommen. Eine korrekte Brillenkorrektur gleicht diese Unterschiede aus und ermöglicht eine gute beidäugige Sehleistung ohne Beschwerden.
Verschlechtert das Tragen einer Brille die Augen?
Nein, das Tragen einer Brille verschlechtert die Augen nicht. Dieser weit verbreitete Irrglaube ist wissenschaftlich widerlegt. Die Brille korrigiert lediglich die vorhandene Fehlsichtigkeit und ermöglicht scharfes Sehen. Eine Verschlechterung der Sehstärke tritt unabhängig vom Brillentragen auf und hängt von genetischen Faktoren, Wachstum und Alterung ab. Im Gegenteil kann das konsequente Tragen einer Brille Kopfschmerzen und Überanstrengung der Augen verhindern.
Was ist der Unterschied zwischen Augenarzt und Optiker?
Ein Augenarzt ist ein Mediziner mit spezialisierter Ausbildung für Erkrankungen des Auges. Er kann Krankheiten diagnostizieren, Medikamente verschreiben und Operationen durchführen. Ein Optiker ist auf die Anfertigung und Anpassung von Sehhilfen spezialisiert. Er kann Sehtests durchführen und Brillen anpassen. Für die erstmalige Feststellung einer Sehschwäche oder bei Augenproblemen sollte ein Augenarzt aufgesucht werden. Für die regelmäßige Anpassung der Brille reicht oft der Optiker.
Quellen
- Bundesministerium für Gesundheit. Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV). Anlage zu §2: Teil A: Allgemeine Grundsätze. Berlin, 2024.
- Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA). Leitlinien zur Refraktionsbestimmung und Brillenverordnung. Düsseldorf, 2023.
- Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). Empfehlungen zur Sehschärfenbestimmung und Visusprüfung. München, 2023.
- Kuratorium Gutes Sehen e.V. (KGS). Ratgeber: Fehlsichtigkeiten und ihre Korrektur. Berlin, 2024.
- Wissenschaftliche Vereinigung für Augenoptik und Optometrie (WVAO). Handbuch der Refraktionsoptik. Dortmund, 2022.